Ernährung und Diabetes

In diesem Ernährungstipp erhalten Sie wesentliche Informationen über Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 und erfahren wie Sie Ihre Ernährung optimieren können.

Haben Sie gewusst, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel oft jahrelang unerkannt bleibt?

Der Grund dafür ist leicht erklärt: Wir können unseren Blutzuckerspiegel nicht unmittelbar spüren. Viele Menschen kontaktieren erst bei Symptomen oder Schmerzen einen Arzt. Diabetes mellitus wird daher häufig aufgrund einer anderen Erkrankung festgestellt. Dazu zählen etwa Herzinfarkt, Schlaganfall, eingeschränkte Nierenfunktion, Beeinträchtigung des Sehvermögens oder Durchblutungsstörungen an Füßen und Händen. Lassen Sie Ihren Blutzucker daher regelmäßig kontrollieren.

Was ist Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Bei Diabetes kann der Blutzucker nicht in ausreichendem Ausmaß vom Körper reguliert werden, was zu chronisch erhöhten Blutzuckerwerten führt. Grund dafür ist entweder ein Mangel an Insulin (Typ-1-Diabetes) oder eine unzureichende Insulinwirkung an den Zellen zu Beginn der Erkrankung, die im Laufe der Zeit in einen Insulinmangel übergehen kann (Typ-2-Diabetes).

Welche Aufgabe hat das Insulin in unserem Körper?

Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird und die Aufgabe hat den Zucker aus dem Blut in die Zellen einzuschleusen. In den Körperzellen wird der Zucker als Energielieferant benötigt. Ist zu wenig Insulin vorhanden oder kann das Insulin nicht richtig wirken, erhalten die Zellen trotz ausreichender Nahrungszufuhr nicht genug Energie. Gleichzeitig bleibt der Zucker im Blut und kann so die Gefäße im ganzen Körper schädigen.

Wie viele Menschen sind von Diabetes mellitus betroffen?

In Österreich sind derzeit etwa 800.000 Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. Etwa ein Drittel davon weiß nichts von der Erkrankung, da Diabetes lange keine Beschwerden verursacht. Zusätzlich sind in Österreich etwa 350.000 Menschen von Prädiabetes, einer Vorstufe des Diabetes mellitus, betroffen. Eine ausgewogene Ernährung gilt als bedeutende Maßnahme, um der Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2 entgegenzuwirken.

Einfluss der Ernährung

Durch die Ernährung kann der Blutzuckerspiegel positiv beeinflusst werden. Je nach Art des Diabetes gibt es unterschiedliche diaetologische Therapieansätze.

Ernährungstherapie bei Typ-1-Diabetes

Für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist es lebensnotwendig, so rasch wie möglich den Insulinmangel des Körpers auszugleichen. Die wichtigste Therapiemaßnahme ist daher die Versorgung mit Insulin.

Für eine gute Therapieeinstellung ist die Abstimmung der Essensmenge und der Insulintherapie erforderlich. Betroffene werden daher auf die Kohlenhydratmenge und die Wirkung der Speisen und Getränke auf den Blutzucker von (spezialisierten) Diaetolog*innen geschult.

Die KE gibt an wie viel Gramm Kohlenhydrate in einem Lebensmittel enthalten sind. Eine KE entspricht 10 g Kohlenhydraten. Da der Kohlenhydratanteil in jedem Lebensmittel unterschiedlich ist, gibt es die sogenannte Kohlenhydrat-Tabelle. Diese bietet eine Übersicht über Kohlenhydratgehalt und Blutzuckerwirkung der gängigsten Lebensmittel.

Ernährungstherapie des Typ-2-Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes kann der Krankheitsverlauf durch die Kombination von Ernährung, Bewegung und medikamentöser Therapie positiv beeinflusst werden. Durch die Auswahl und Kombination einzelner Lebensmittel können Blutzucker-Spitzen abgefangen und die Blutzucker-Einstellung optimiert werden. Dabei handelt es sich nicht um eine restriktive Diät, sondern um eine langfristige Ernährungsumstellung, die an die Empfehlungen einer ausgewogenen und gesunden Ernährung angelehnt ist.

Allgemeine Ernährungs-Tipps für die Praxis

  • Getränke-Auswahl beachten: Empfehlenswert sind ungesüßte Getränke, wie Wasser, Mineralwasser, Tee oder Soda-Zitron. Gezuckerte Getränke lassen den Blutzuckerspiegel sehr rasch ansteigen.
  • Integrieren ballaststoffreicher Lebensmittel: Diese helfen den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Ballaststoffe sind vor allem in grobkörnigen Vollkornprodukten, Getreideflocken, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und Gemüse enthalten. Auch Obst enthält Ballaststoffe, sollte aufgrund des enthaltenen Fruchtzuckers jedoch nur in moderaten Mengen gegessen werden.
  • Auf die empfohlene Portionsgröße und Mahlzeitenzusammenstellung achten: Auch die verzehrte Kohlenhydratmenge wirkt sich auf den Blutzucker aus. Sättigungsbeilagen, wie Nudeln, Reis und Kartoffeln sollten in einem bewussten Ausmaß verzehrt werden. Zusätzlich ist die Kombination mit Gemüse und eiweißreichen Lebensmitteln, wie naturbelassenen Milchprodukten, Eiern, Hülsenfrüchten, Fisch oder magerem Fleisch empfehlenswert.
  • Umgang mit Süßigkeiten und Mehlspeisen: Ein gänzlicher Verzicht auf Süßigkeiten und Mehlspeisen ist bei einem gut eingestellten Diabetes mellitus nicht notwendig. Durch den Verzehr kleiner Mengen und das Integrieren in eine Hauptmahlzeit (z.B. als Dessert) können auch hier Blutzuckerspitzen vermieden werden. Bei Bedarf ist auch der Einsatz von Süßstoffen möglich, da diese den Blutzuckerspiegel nicht beeinflussen.

Eine Diaetologin/Ein Diaetologie kann Ihnen dabei helfen die Empfehlungen in Ihren Alltag zu integrieren.

Sonderfall Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)

Bei einem Gestationsdiabetes handelt es sich um eine Störung des Zuckerstoffwechsels während der Schwangerschaft, der durch einen Zuckerbelastungstest (OGTT) im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche festgestellt werden kann. Ein unbehandelter Gestationsdiabetes kann zu Komplikationen während der Schwangerschaft und auch danach führen. Ein Schwangerschaftsdiabetes stellt ein Risiko für die Entstehung eines späteren Typ-2-Diabetes dar, weswegen ein gesunder Lebensstil auch nach der Geburt für betroffene Frauen eine große Rolle spielt.

Ernährungstherapie bei Gestationsdiabetes

Schwangere Frauen haben einen anderen Energie- und Nährstoffbedarf als die Allgemeinbevölkerung und müssen daher unbedingt individuell diaetologisch begleitet werden. Mithilfe von täglichen Blutzuckermessungen kann festgestellt werden, wie der Blutzucker auf Lebensmittel reagiert und in der diaetologischen Beratung darauf eingegangen werden. In der Schwangerschaft ist eine ausreichende Zufuhr von günstigen Kohlenhydratquellen wie Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und z.B. auch Hülsenfrüchten besonders wichtig und eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung von Mutter und Kind steht im Vordergrund. Regelmäßige Mahlzeiten und eine ungezuckerte Getränkeauswahl können dazu beitragen starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.

Rezept-Tipps

Quellen

  • Kasper H. Ernährungsmedizin und Diätetik. 13., überarbeitete Auflage. München: Elsevier; 2021. 627 S.
  • Österreichische Diabetes Gesellschaft. ÖDG Aktivitätsbericht 2023 [Internet]. 2023. Verfügbar unter: https://www.oedg.at/pdf/OEDG-Aktivitaetsbericht-2023.pdf
  • Resl M. Leitlinien Österreichische Diabetesgesellschaft: Zusammenfassung der Änderungen*. Wien Klin Wochenschr. Jänner 2023;135(S1):1–6.
  • American Diabetes Association Professional Practice Committee, ElSayed NA, Aleppo G, Bannuru RR, Beverly EA, Bruemmer D, u. a. 5. Facilitating Positive Health Behaviors and Well-being to Improve Health Outcomes: Standards of Care in Diabetes—2024. Diabetes Care. 1. Jänner 2024;47 (Supplement_1):S77–110.
  • Skurk T, Bosy-Westphal A, Grünerbel A, Kabisch S, Keuthage W, Kronsbein P, u. a. Empfehlungen zur Ernährung von Personen mit Typ-2-Diabetes mellitus. Diabetologie und Stoffwechsel. Oktober 2022;17(S 02):S256–90.

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Individuelle Ernährungsberatung

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