Ernährung bei Einnahme von Psychopharmaka

Die Einnahme von Psychopharmaka kann zu einer Gewichtszunahme führen. Eine ernährungstherapeutische Begleitung hilft dem vorzubeugen.

Etwa ein Viertel der Bevölkerung leidet im Laufe des Lebens an psychischen Symptomen und Erkrankungen. Psychische Störungen kommen mittlerweile häufiger vor als körperliche Erkrankungen.

Bei vielen ist eine Therapie mit Psychopharmaka unerlässlich. Sie zählen zu der am meisten verordneten Medikamentengruppe und einige dieser Medikamente sind mit Änderungen bzw. mit Einflüssen auf den Stoffwechsel verbunden. Zum Beispiel können sie zu einer deutlichen Erhöhung des Körpergewichts und somit auch zu einem erhöhten Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus führen.

Die Ausprägung der Nebenwirkungen ist immer individuell und je nach Präparat unterschiedlich. Bei ausgewählten Antipsychotika (wie z.B. Olanzapin, Clozapin und Zotapin) sowie bei einigen Antidepressiva und Stimmungsstabilisierern kommt es häufiger zu Gewichtszunahmen und/oder Erhöhung von Stoffwechselparametern (wie Blutzucker und Blutfettwerte). Hinzu kommt ein Zusammenspiel weiterer Faktoren, die zu einer Gewichtszunahme führen, wie Appetitsteigerung, Bewegungsmangel, reduzierter Antrieb, etc.

Es wird empfohlen, dass bereits bei Beginn der Psychopharmaka-Therapie eine Diätolog*in miteinbezogen wird, um ernährungsrelevanten Nebenwirkungen vorzubeugen bzw. spätestens bei Auftreten von Nebenwirkungen gemeinsam gegenzusteuern.

Bitte sprechen Sie auch mit Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt über das Wirkungsprinzip des verordneten Präparats. Zusätzlich sollten bei der Einnahme von Psychopharmaka regelmäßig Gewicht, Blutdruck und Blutwerte (Stoffwechselparameter) kontrolliert werden.

Vorbeugende und therapeutische Empfehlungen, während der Einnahme von Psychopharmaka

  1. Energiefreie Durstlöscher wählen
    Trinken Sie mindestens 1,5l Wasser, Mineral, ungesüßte Tees oder andere zuckerfreie Getränke pro Tag. Milch zählt nicht zu den Getränken und sollte bis maximal 0,25l täglich „getrunken“ werden.
  2. Bewegung – Bleiben Sie aktiv
    Um Ihr Körpergewicht zu regulieren, ist es äußerst wichtig, sich regelmäßig zu bewegen. Eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining wäre ideal.
  3. Nährstoffe mit geringer Energiedichte
    Achten Sie auf eine ausgewogene Mahlzeitenzusammenstellung und auf regelmäßige Mahlzeiten. Versuchen Sie viel Gemüse, Salate und Vollkornprodukte in Ihren Speiseplan einzubauen. Auch weiße Milchprodukte bzw. fermentierte Milchprodukte (wie Joghurt, Kefir, Buttermilch) sind in begrenzter Menge einsetzbar. Diese Lebensmittel führen dazu, dass Sie länger satt sind und liefern dem Körper viele Nährstoffe bei gleichzeitig geringer Energiedichte.
  4. Wenn der Süß-Gusto kommt…
    Sollte ein Heißhungergefühl auftreten, lässt sich dieses kaum unterdrücken. Greifen Sie zu geeigneten Zwischenmahlzeiten wie z.B. 1 Portion Obst, einem Milchprodukt, 1 kleine Handvoll Nüsse oder Gemüse.
    Versuchen Sie, Schokolade, Kekse und Co nur in kleinen Verpackungseinheiten zu Hause lagernd zu haben und essen Sie diese langsam und genüsslich. Ablenkung und geschmackliche Gegenreize (z.B. bitter/sauer) können ebenfalls Abhilfe schaffen.
  5. Sprechen Sie mit Ihrer behandelnden Psychiaterin/ Ihrem behandelnden Psychiater
    Psychopharmaka werden aufgrund Ihrer erwünschten Wirkung verschrieben und sollten nicht eigenmächtig abgesetzt oder angepasst werden. Wenn Sie unter einer Gewichtszunahme leiden, sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt und Ihrer Diaetologin/Ihrem Diaetologen abklären, ob die Gewichtszunahme durch die Medikation oder durch den Lebensstil bedingt ist und gemeinsam eine Strategie für das Gewichtsmanagement (alternatives Präparat, Ernährungstherapie, etc.) erarbeiten.

Quellen

  • Barton, B. et al.: Medikamenteninduzierte Gewichtszunahme Was tun, wenn das Körpergewicht unter Psychopharmaka ansteigt? InFo Neurologie + Psychiatrie 2020; 22 (12)
  • Schlumm, K. et al.: Psychopharmaka-induzierte unerwünschte Wirkungen in der Ernährungstherapie, Relevance of Psychotropic Drug Adverse Effects in Nutritional Therapy. Aktuelle Ernährungsmedizin, 44(05): 322-330, 2019.
  • Himmerich, H.; Schuld, A. & Pollmächer, T.: Gewichtszunahme unter Psychopharmakotherapie. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 102, Heft 31-32, 2005.

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