Lebergesundheit und der Einfluss von Ernährung
Was Sie tun können, um Ihre Leber gesund zu halten und welche Rolle die Ernährung dabei spielt.
Die Leber zählt zu den wichtigsten Organen im menschlichen Körper. Sie übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben, die für Gesundheit und Wohlbefinden unverzichtbar sind.
Als Stoffwechselzentrum des Körpers steuert die Leber unter anderem den Blutzucker- und Fettstoffwechsel, produziert lebensnotwendige Proteine und unterstützt den Abbau sowie die Ausscheidung von Schadstoffen. Darüber hinaus speichert sie Nährstoffe und spielt eine entscheidende Rolle im Hormon- und Immunsystem.
Um die Leber gesund zu erhalten, ist ein ausgewogener Lebensstil wichtig. Übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, Bewegungsmangel und eine einseitige, energiereiche Ernährung mit stark verarbeiteten Lebensmitteln können die Leberfunktion beeinträchtigen und zu stoffwechselbedingten Lebererkrankungen wie MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease)¸ Fettleberentzündungen (MASH – Metabolic Dysfunction- Associated Steatohepatitis) oder im schlimmsten Fall Leberzirrhose (irreversible Vernarbung des Lebergewebes) führen. Auch Adipositas, erhöhte Blutfettwerte, Insulinresistenz und Typ 2 Diabetes begünstigen die Entstehung dieser Erkrankungen.
Mag die Diagnose MASLD oder MASH für Betroffene zunächst beunruhigend sein, bietet sie jedoch gleichzeitig eine Chance: Die Leber ist ein außerordentlich regenerationsfähiges Organ. Durch gezielte Veränderungen im Lebensstil – etwa durch eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und den Verzicht auf schädliche Substanzen – können sich Leberfett und Entzündungen in den meisten Fällen deutlich verbessern oder sogar zurückbilden.
Welche Rolle spielt die Ernährung für die Lebergesundheit?
Ernährung beeinflusst direkt
- wie viel Fett in der Leber gespeichert wird.
- wie empfindlich der Körper auf Insulin reagiert.
- wie stark Entzündungsprozesse ablaufen.
- und wie hoch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.
Eine ausgewogene Ernährung mit einem vermehrten Verzehr von Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und pflanzlichen Fetten unterstützt die Funktion der Leber und führt in vielen Fällen auch zur Verbesserung von Fettleber (Steatose) und Entzündungen.
Eine Ernährungsform mit diesen Eigenschaften ist die sogenannte Mediterrane Kost. Sie gilt als die am besten untersuchte Ernährungsform bei MASLD/MASH.
Basis der mediterranen Ernährung sind vor allem viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Obst, Nüsse, Samen, ergänzt durch Olivenöl, pflanzliche Öle, Fisch, Eier und mageres Fleisch.
Die Mediterrane Ernährung entspricht – abgesehen von einigen kleinen Unterschieden – im Wesentlichen den Empfehlungen großer Ernährungsfachgesellschaften sowie den offiziellen österreichischen Ernährungsempfehlungen.
Wie kann ich eine lebergesunde Ernährung einfach im Alltag umsetzen?
Eine sehr praktische Hilfe ist das Tellermodell. Es zeigt auf einen Blick, wie eine lebergesunde Mahlzeit aussehen kann:
- ½ Teller Gemüse und Salat, 1-2 Stück Obst pro Tag
- ¼ Teller Eiweiß: z.B. Fisch, Eier, Huhn ohne Haut, Topfen/Joghurt, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch, Frischkäse…
- ⅛ bis maximal ¼ Teller Kohlenhydrate (je nach Bewegungsverhalten): z.B. Hafer, Kartoffeln, Quinoa, Rollgerste, Buchweizen, Einkorn, Haferbrot, Sauerteigbrot…
- Pflanzliche Fette in kleinen Mengen: Olivenöl, Leinsamenöl, Walnussöl, Rapsöl, Nüsse, Samen..
Dieses Modell ist ausgewogen, alltagstauglich und lässt sich flexibel anpassen.
Welche Ernährungsempfehlungen gibt es bei stoffwechselbedingten Lebererkrankungen wie MASLD /MASH?
Da stoffwechselbedingte Lebererkrankungen häufig mit Adipositas, Insulinresistenz oder Diabetes einhergehen, ist eine individuelle Ernährungsberatung durch eine Diaetolog*in sehr empfehlenswert. Diaetolog*innen unterstützen bei der Ernährungsumstellung und passen Maßnahmen an Ihre individuelle Situation und Bedürfnisse an.
Allgemein gilt:
- Alkohol, stark verarbeitete Lebensmittel und Lebensmittel und Getränke, denen Fruktose zugesetzt ist, reduzieren. Lebensmittel, die natürlicherweise Fruktose enthalten, z.B. 1-2 Port. Obst, können im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung weiterhin verzehrt werden. Bei Prädiabetes/Diabetes und Steatose gilt es, die empfohlene Menge individuell auszutesten.
- Auf Ausgewogenheit achten! Grundsätzlich können alle Lebensmittel und Speisen gegessen werden. Wichtig ist die Ausgewogenheit. (siehe Abbildung). Konzentrieren Sie sich in Ihrer Ernährungsumstellung darauf, mehr Lebensmittel zu konsumieren, die einen positiven Effekt haben, anstatt auf Verbote.
- Kaffee wirkt unterstützend. Kaffeekonsum hat sich in einigen Studien als wirksam in der Behandlung der MASLD/MASH gezeigt. Wenn Sie gerne Kaffee trinken und ihn vertragen, können Sie sich daher auch öfters eine Tasse genehmigen. Auch koffeinfreier Kaffee ist eine Möglichkeit.
- Weitere Maßnahmen. Zusätzlich zur Ernährungsumstellung kann die Steigerung der körperlichen Aktivität oder eine unterstützende Verhaltenstherapie bei der Behandlung der MASLD/MASH helfen.
Literatur:
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